VenAMo – Verkehrsentlastung durch neue Arbeitsformen und Mobilitätstechnologien

  • Ansprechpartner:

    Dr.-Ing. Martin Kagerbauer
    Anna Reiffer, M.Sc.
    Christian Klinkhardt, M.Sc.

  • Förderung:

    Bundesministerium für Bildung und Forschung

  • Partner:

    Zeppelin Universität gemeinnützige GmbH (ZU) – Lehrstuhl für Sozioökonomik (LSÖ)
    Universität Stuttgart – Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS)
    Verband Region Stuttgart
    Balluff GmbH

  • Beginn:

    2020

  • Ende:

    2023

Problemstellung

Die Verkehrssysteme vieler deutscher Metropolregionen kommen an ihre Grenzen. Die Region Stuttgart ist durch ihre geografische Lage und aufgrund wirtschafts-, siedlungs- und verkehrsstruktureller Bedingungen besonders betroffen. Über 240.000 Personen, die in Stuttgart arbeiten, kommen von außerhalb, 87.000 Personen pendeln von Stuttgart ins Umland. Die Verlustzeiten pro Autofahrer:in liegen bei rund 108 Stunden im Jahr. Ähnliches gilt für die Verlustzeiten durch Störungen im öffentlichen Verkehr. Damit gehört Stuttgart seit Jahren zu den staureichsten Städten Deutschlands. Da an einem Werktag etwa die Hälfte der Verkehrsleistung durch Berufsverkehr verursacht wird, kann eine Verhaltensänderung bei berufsbezogenen Wegen zu weniger Verkehr und einer nachhaltigeren urbanen Mobilität beitragen.

Zugleich gewinnen flexible Arbeitsformen an Bedeutung. Aufgrund IT-gestützter Kommunikations- und Kollaborationslösungen setzen immer mehr Firmen auf digital unterstützte, zeitlich und räumlich flexible Arbeitsformen. Traditionelle Büroarbeitsplätze werden zusehends durch flexible Arbeitsorte ersetzt. Zudem haben Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) den Umgang mit Mobilität verändert. Neue Mobilitätskonzepte (z.B. flexible on-Demand-Angebote) zielen auf eine intelligentere Bündelung des Verkehrs (Ridepooling) oder auf die Verbesserung des Zugangs zum öffentlichen Nahverkehr. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen bieten eine Grundlage zur stärkeren Nutzung raum-zeitlich flexibler Arbeitsformen und neuer Mobilitätstechnologien bei berufsbezogenen Wegen. Doch welche Potenziale diese Flexibilität in Kombination mit neuen Mobilitätsangeboten tatsächlich birgt, um urbane Verkehrssystem zu entlasten, ist nach wie vor ungeklärt. Unklar ist ferner, wie sich wandelnde Arbeitsformen und Mobilitätsverhalten in Wechselwirkung stehen und wie die Potenziale mobiler Arbeit und neuer Mobilitätskonzepte durch politische Strategien und Konzepte genutzt werden können, um Mobilität nachhaltig zu gestalten.

Projektziel

Im Projekt Venamo wird untersucht, inwieweit flexible Arbeitsformen und ein verändertes Mobilitätsverhalten bei arbeitsbezogenen Wegen Verkehrssysteme entlasten können. Dabei wird auch der Einfluss neuer Mobilitätsdienste ermittelt. Anhand dieser Untersuchungen werden Gestaltungmöglichkeiten für Akteur:innen aus Verkehrs- und Stadtpolitik erstellt, auf Basis derer der Berufsverkehr in Kernstädten reduziert und die Lebensqualität für Anwohner:innen und Pendler:innen erhöht werden kann.

Methode

Das Vorhaben trägt in vielerlei Hinsicht zur Entwicklung einer nachhaltigeren urbanen Mobilität bei: Es wird ermittelt, welche Potentiale zur Nutzung raum-zeitlich flexibler Arbeitsformen im Zusammenhang mit nachhaltigen Mobilitätssysteme bei Unternehmen in der Region Stuttgart vorliegen. Die damit verbundene Verhaltensänderung wird in Realexperimenten mit den betroffenen Erwerbspersonen erprobt und diskutiert. Im mikroskopischen Verkehrsnachfragemodell mobiTopp werden diese Verhaltensänderungen abgebildet und die Potentiale der Verkehrsentlastung quantifiziert. Diese Potentiale werden anschließend mit einem Instrument zur sozioökonomischen Nachhaltigkeitsanalyse bewertet und die Ergebnisse im Dialog mit Vertreter:innen regionaler Unternehmen, der Verkehrs- und Stadtpolitik sowie Infrastrukturplanung konsolidiert. Abschließend werden diese Ergebnisse in unternehmerische sowie stadt- und verkehrspolitische Strategien zur Verkehrsentlastung bei arbeitsbezogenen Wegen überführt.

Das Institut für Verkehrswesen (IfV) entwickelt im Rahmen des Projekts ein geeignetes Erhebungskonzept, um eine Verknüpfung zwischen raum-zeitlich flexiblen Arbeitsformen und Verkehrsverhalten herstellen zu können. Aufbauend auf der so entstehenden Datengrundlage entwickelt das IfV ein mikroskopisches Verkehrsnachfragemodell für die Region Stuttgart. Dazu kommt das am IfV entwickelte Modell mobiTopp zum Einsatz, welches im Rahmen des Projektes so ergänzt wird, dass verschiedene (flexible) Arbeitsformen adäquat abgebildet werden und deren Auswirkungen auf das Verkehrssystem quantifiziert werden können.